Tourentage in Orsières (VS)
Sonntag, 09.02.2025 – Six Noir (2‘821 m.ü.M.)
Der Auftakt zu den Skitourentagen im Unterwallis machen wir im Tal des
Grand-Saint-Bernard. Startpunkt ist Bourg-St-Pierre, von wo aus sich die
elf Personen starke Truppe…
Moment mal, elf? Es sollten doch dreizehn sein!
Zur gleichen Zeit, rund 50 km Luftlinie weiter nördlich: Zwei Personen,
ein Auto und eine etwas zu starke Rauchentwicklung. Merkt euch, rauchen
ist ungesund. Für Mensch und Auto.
Die beiden Gestrandeten kämpfen sich schliesslich per Taxi doch noch
bis in unser Hotel in Orsières, während der Rest der Gruppe
bereits den Six Noir in Angriff genommen hat. Zuerst ein Stück weit
durch bewaldetes Gebiet, danach geht es über der Baumgrenze weiter.
Dabei stehen Sonne und Wolken etwas im Wettstreit, wer denn nun das Wetter
bestimmen dürfe. Netterweise behält die Sonne die Oberhand. An
dieser Stelle sei auch noch ein Lob an moderne Smartphones und moderne Netzabdeckung
ausgesprochen. So können wir während des Aufstiegs auf über
2'500 m.ü.M. die Leistungen von Franjo von Allmen, Alexis Monney und
ihren Teamkameraden beobachten und bejubeln.
Auf dem Gipfel folgt schliesslich noch etwas freiwillige Kraxelei, um auch
noch die letzten Meter zu bezwingen. Danach geht es dann schon bald, auf
eher hartem Untergrund, talwärts.
Mit der ersten Skitour dieser vier Tage hinter uns, fahren wir nach Orsières,
wo uns einerseits unsere Zimmer im Hotel Terminus, aber andererseits natürlich
auch das fröhliche Wiedersehen mit unseren havarierten Automobilistinnen
erwartet.
(Bericht: Julian Burkhard)
Montag, 10.02.2025 – Les Capucins (2‘719 m.ü.M.)
Nach dem Frühstück mit bemerkenswert feinem Brot beladen wir
die Autos. Mit einem Auto weniger heisst es „gut einteilen“.
Die Ideen gehen weit, jemand aufs Dach schnallen - mit Windschutz versteht
sich? Oder doch ein Auto mit allen Skis füllen und die Personen auf
die anderen Autos aufteilen? Wohl die beste Idee.
Die heutige Tour startet im benachbarten Val de Bagnes und führt -
an der Cabane Brunet vorbei - auf den spitzigen Berggrat „Les Capucins“.
Kurz nach Lourtier befindet sich der Parkplatz auf ca. 1300 müM. Die
Route zur Cabane Brunet ist gut ausgeschildert. Erst geht es durch den Wald.
Knapp über der Baumgrenze erreichen wir die Cabane Brunet auf ca. 2100
müM. Die ersten 800 Höhenmeter sind gemeistert. Ein Kaffee? Wir
befinden uns in einem schönen Wetterfenster, also besser weiter. Es
ist noch ein weiter Weg bis zu den Capucins.
Der Schnee ist vielversprechend. Hier an den Nordhängen hat es - trotz
warmen Temperaturen - genug Schnee und er wurde pulvrig konserviert. Der
letzte Teil ist ziemlich steil und Raphael muss eine neue Spur in den tiefen
Schnee legen. Es ist windig oben auf 2‘719 müM und leichter Schneefall.
Wir bleiben nicht lange und freuen uns auf die Abfahrt. Der Schnee fährt
sich leicht. Ein Grossteil der Gruppe fährt direkt zur Cabane auf ein
Kaffee, Drei von uns fahren den hügeligen Hang mit Tiefschnee weiter
runter an der Hütte vorbei, mit dem Ziel nochmals aufzusteigen. Im
tief aneroben Bereich sprinten die drei hoch zurück zur Hütte,
wo alle die Sonne geniessen.
Gestärkt durch den Kaffee steigt nochmals eine kleine Gruppe ein paar
Höhenmeter hoch, um den Tiefschneehang mitzunehmen. Eine Kopf-voran-Landung
von Raphael ist dem fahlen Licht geschuldet und Livio wagt (unfreiwillig)
eine Rolle vorwärts im Steilhang.
Mit über 1400 Höhenmeter in den Beinen fahren wir glücklich
zurück zum Hotel in Orsières.
(Bericht: Christoph S.)
Dienstag, 11.02.2025 – Col des Ecandies (2‘793 m.ü.M.)
Am Dienstag sind die Wetterprognosen eher schlecht. Wir suchen im Val d‘
Arpette unser Glück. Ein Hochtal, nur gerade 10km von Orsières
entfernt.
Leider muss Julian im Hotel bleiben, da ihn die Grippe plagt. Nach Adolf
und Roland ist er somit der 3. krankheitsbedingte Ausfall. Und kurz vor
dem Abmarsch in Champex-Lac wird auch Anita plötzlich vermisst. Haben
wir sie im Hotel vergessen ? Nach kurzer Nervosität wird sie in einem
Auto entdeckt. Glück gehabt.
Die ersten Meter der Skitour führen entlang der Skipiste. Der nächtliche
Neuschnee klebt sehr hartnäckig an den Fellen. Je höher wir steigen,
umso pulvriger wird die Unterlage.
Die Sicht hingegen verschlechtert sich immer mehr. So können wir die
schroffe Bergkulisse des Val d‘ Arpette nur sporadisch erkennen. Das
eine oder andere Couloir beeindruckt uns und macht gluschtig…
Im obersten Teil des Aufstieges nehmen Schneefall, Schneehöhe und Steilheit
zu. Die Verhältnisse sind anspruchsvoll, aber alle 12 Teilnehmenden
erreichen den Col des Ecandies 2‘793müM. Leider verhindert dort
der dichte Nebel die Sicht ins „Plateau du Trient“.
Der tiefe Pulverschnee und die schlechte Sicht machen die Abfahrt zu einer
Herausforderung. Einerseits gilt es, einen Sicherheits-Abstand zu halten,
andererseits muss die Gruppe zusammen bleiben. Im mittleren Teil ist der
Nebel so dicht, dass wir uns im „Whiteout“ bewegen. Es sind
kaum Konturen zu erkennen. Die Aufstiegsspur (und das Handy-App) können
in solchen Fällen willkommene Anhaltspunkte sein.
(Bericht: Ruedi Hüsler)
Mittwoch, 12.02.2025 – Chantonnet (2‘400 m.ü.M.)
Heute steht die bereits seit Tagen angekündigte Königsetappe
auf dem Programm – ein Tag für wahre Gipfelstürmer! Pünktlich
wie ein Schweizer Uhrwerk fahren wir im Hotel los. Da wir sogar 3 Minuten
zu früh fahren, moniert eine nicht genannt werden wollende Teilnehmerin:
„Im Skiclub sei rechtzeitig meist zu spät.“ Die jüngere
Generation meint sogar, der Skiclub sei eine „Lebensschule“,
was die Tourenleiter sehr zu schätzen wissen.
Unsere Tour führt uns ins Val Ferret, unser 4. Tal in diesen Tourentagen.
Wir nehmen ab La Fouly die 1.150 Höhenmeter in Angriff. Das Wetter
= windig und nichts für Warmduscher.
Beim Aufstieg gibt es aufgrund des Windes Verluste – nicht an Menschen,
sondern an einer Dauenjacke… Fritz kann sie retten, dank schnellem
und entschlossenem Handeln.
Rund 300 Höhenmeter unter dem ursprünglich angestrebten Gipfel,
dem majestätischen Tête de Ferret, zieht sich der Nebel leider
immer dichter zusammen. Wir müssen Forfait erklären und wechseln
vom Aufstiegsmodus in die Abfahrtsposition.
Plötzlich, aus dem Nichts, eröffnet sich für uns eine Top-Abfahrt.
Perfekte Bedingungen, Sonne, blauer Himmel, sanfter Schnee und eine Kulisse
zum Niederknien. Es ist eine traumhaft schöne Fahrt, die uns mit einem
breiten Grinsen ins Tal führt.
Die Rückfahrt nach Neudorf ist logistisch anspruchsvoll. 13 Passagiere
in 3 Autos mit Skiern und Gepäck. Wir schaffen das. Und Adolf überrascht
uns zu Hause mit einem feinen Plättli. Ein wirklich würdiger Abschluss
dieser abwechslungsreichen Tourentage.
(Bericht: Livio Erni)