Tourengruppe Skiclub Alpina Neudorf

09. - 12. Februar 2025 (13 Teilnehmer, Organisation R. Hüsler)

Tourentage in Orsières (VS)

Sonntag, 09.02.2025 – Six Noir (2‘821 m.ü.M.)

Der Auftakt zu den Skitourentagen im Unterwallis machen wir im Tal des Grand-Saint-Bernard. Startpunkt ist Bourg-St-Pierre, von wo aus sich die elf Personen starke Truppe…
Moment mal, elf? Es sollten doch dreizehn sein!
Zur gleichen Zeit, rund 50 km Luftlinie weiter nördlich: Zwei Personen, ein Auto und eine etwas zu starke Rauchentwicklung. Merkt euch, rauchen ist ungesund. Für Mensch und Auto.
Die beiden Gestrandeten kämpfen sich schliesslich per Taxi doch noch bis in unser Hotel in Orsières, während der Rest der Gruppe bereits den Six Noir in Angriff genommen hat. Zuerst ein Stück weit durch bewaldetes Gebiet, danach geht es über der Baumgrenze weiter. Dabei stehen Sonne und Wolken etwas im Wettstreit, wer denn nun das Wetter bestimmen dürfe. Netterweise behält die Sonne die Oberhand. An dieser Stelle sei auch noch ein Lob an moderne Smartphones und moderne Netzabdeckung ausgesprochen. So können wir während des Aufstiegs auf über 2'500 m.ü.M. die Leistungen von Franjo von Allmen, Alexis Monney und ihren Teamkameraden beobachten und bejubeln.
Auf dem Gipfel folgt schliesslich noch etwas freiwillige Kraxelei, um auch noch die letzten Meter zu bezwingen. Danach geht es dann schon bald, auf eher hartem Untergrund, talwärts.
Mit der ersten Skitour dieser vier Tage hinter uns, fahren wir nach Orsières, wo uns einerseits unsere Zimmer im Hotel Terminus, aber andererseits natürlich auch das fröhliche Wiedersehen mit unseren havarierten Automobilistinnen erwartet.

(Bericht: Julian Burkhard)


Montag, 10.02.2025 – Les Capucins (2‘719 m.ü.M.)

Nach dem Frühstück mit bemerkenswert feinem Brot beladen wir die Autos. Mit einem Auto weniger heisst es „gut einteilen“. Die Ideen gehen weit, jemand aufs Dach schnallen - mit Windschutz versteht sich? Oder doch ein Auto mit allen Skis füllen und die Personen auf die anderen Autos aufteilen? Wohl die beste Idee.
Die heutige Tour startet im benachbarten Val de Bagnes und führt - an der Cabane Brunet vorbei - auf den spitzigen Berggrat „Les Capucins“.
Kurz nach Lourtier befindet sich der Parkplatz auf ca. 1300 müM. Die Route zur Cabane Brunet ist gut ausgeschildert. Erst geht es durch den Wald. Knapp über der Baumgrenze erreichen wir die Cabane Brunet auf ca. 2100 müM. Die ersten 800 Höhenmeter sind gemeistert. Ein Kaffee? Wir befinden uns in einem schönen Wetterfenster, also besser weiter. Es ist noch ein weiter Weg bis zu den Capucins.
Der Schnee ist vielversprechend. Hier an den Nordhängen hat es - trotz warmen Temperaturen - genug Schnee und er wurde pulvrig konserviert. Der letzte Teil ist ziemlich steil und Raphael muss eine neue Spur in den tiefen Schnee legen. Es ist windig oben auf 2‘719 müM und leichter Schneefall. Wir bleiben nicht lange und freuen uns auf die Abfahrt. Der Schnee fährt sich leicht. Ein Grossteil der Gruppe fährt direkt zur Cabane auf ein Kaffee, Drei von uns fahren den hügeligen Hang mit Tiefschnee weiter runter an der Hütte vorbei, mit dem Ziel nochmals aufzusteigen. Im tief aneroben Bereich sprinten die drei hoch zurück zur Hütte, wo alle die Sonne geniessen.
Gestärkt durch den Kaffee steigt nochmals eine kleine Gruppe ein paar Höhenmeter hoch, um den Tiefschneehang mitzunehmen. Eine Kopf-voran-Landung von Raphael ist dem fahlen Licht geschuldet und Livio wagt (unfreiwillig) eine Rolle vorwärts im Steilhang.
Mit über 1400 Höhenmeter in den Beinen fahren wir glücklich zurück zum Hotel in Orsières.

(Bericht: Christoph S.)

Dienstag, 11.02.2025 – Col des Ecandies (2‘793 m.ü.M.)

Am Dienstag sind die Wetterprognosen eher schlecht. Wir suchen im Val d‘ Arpette unser Glück. Ein Hochtal, nur gerade 10km von Orsières entfernt.
Leider muss Julian im Hotel bleiben, da ihn die Grippe plagt. Nach Adolf und Roland ist er somit der 3. krankheitsbedingte Ausfall. Und kurz vor dem Abmarsch in Champex-Lac wird auch Anita plötzlich vermisst. Haben wir sie im Hotel vergessen ? Nach kurzer Nervosität wird sie in einem Auto entdeckt. Glück gehabt.
Die ersten Meter der Skitour führen entlang der Skipiste. Der nächtliche Neuschnee klebt sehr hartnäckig an den Fellen. Je höher wir steigen, umso pulvriger wird die Unterlage.
Die Sicht hingegen verschlechtert sich immer mehr. So können wir die schroffe Bergkulisse des Val d‘ Arpette nur sporadisch erkennen. Das eine oder andere Couloir beeindruckt uns und macht gluschtig…
Im obersten Teil des Aufstieges nehmen Schneefall, Schneehöhe und Steilheit zu. Die Verhältnisse sind anspruchsvoll, aber alle 12 Teilnehmenden erreichen den Col des Ecandies 2‘793müM. Leider verhindert dort der dichte Nebel die Sicht ins „Plateau du Trient“.
Der tiefe Pulverschnee und die schlechte Sicht machen die Abfahrt zu einer Herausforderung. Einerseits gilt es, einen Sicherheits-Abstand zu halten, andererseits muss die Gruppe zusammen bleiben. Im mittleren Teil ist der Nebel so dicht, dass wir uns im „Whiteout“ bewegen. Es sind kaum Konturen zu erkennen. Die Aufstiegsspur (und das Handy-App) können in solchen Fällen willkommene Anhaltspunkte sein.

(Bericht: Ruedi Hüsler)


Mittwoch, 12.02.2025 – Chantonnet (2‘400 m.ü.M.)

Heute steht die bereits seit Tagen angekündigte Königsetappe auf dem Programm – ein Tag für wahre Gipfelstürmer! Pünktlich wie ein Schweizer Uhrwerk fahren wir im Hotel los. Da wir sogar 3 Minuten zu früh fahren, moniert eine nicht genannt werden wollende Teilnehmerin: „Im Skiclub sei rechtzeitig meist zu spät.“ Die jüngere Generation meint sogar, der Skiclub sei eine „Lebensschule“, was die Tourenleiter sehr zu schätzen wissen.
Unsere Tour führt uns ins Val Ferret, unser 4. Tal in diesen Tourentagen. Wir nehmen ab La Fouly die 1.150 Höhenmeter in Angriff. Das Wetter = windig und nichts für Warmduscher.
Beim Aufstieg gibt es aufgrund des Windes Verluste – nicht an Menschen, sondern an einer Dauenjacke… Fritz kann sie retten, dank schnellem und entschlossenem Handeln.
Rund 300 Höhenmeter unter dem ursprünglich angestrebten Gipfel, dem majestätischen Tête de Ferret, zieht sich der Nebel leider immer dichter zusammen. Wir müssen Forfait erklären und wechseln vom Aufstiegsmodus in die Abfahrtsposition.
Plötzlich, aus dem Nichts, eröffnet sich für uns eine Top-Abfahrt. Perfekte Bedingungen, Sonne, blauer Himmel, sanfter Schnee und eine Kulisse zum Niederknien. Es ist eine traumhaft schöne Fahrt, die uns mit einem breiten Grinsen ins Tal führt.
Die Rückfahrt nach Neudorf ist logistisch anspruchsvoll. 13 Passagiere in 3 Autos mit Skiern und Gepäck. Wir schaffen das. Und Adolf überrascht uns zu Hause mit einem feinen Plättli. Ein wirklich würdiger Abschluss dieser abwechslungsreichen Tourentage.

(Bericht: Livio Erni)