Tourengruppe Skiclub Alpina Neudorf

13. Dezember 2025 (16 Teilnehmer, Organisation: Michael Wüest)

Rotsandnollen (2700 m)

Die Klage über Schneemangel gehört ja inzwischen zur Liturgie des SC Neudorf. Im Sinne der Pflege ehrwürdiger Traditionen stimmten wir auch dieses Jahr wieder ein: Zu wenig Schnee im Entlebuch, die Haglere aper – wie will man den da eine Skitour machen? Es musste also ein zertifiziertes Schneeloch her. Dieses wurde mit der guten alten Melchsee-Frutt (1’893m) rasch gefunden. In ungewöhnlich gemütlicher Manier liessen wir uns von den runden Gondeln hoch zur Melchsee-Frutt tragen. Hier lag nicht nur (gerade so) genug Schnee, darüber wölbte sich auch ein sympathisch blauer Himmel, während das Mittelland unter einer dichten Nebeldecke darbte.

Der lange, flache Aufstieg führte ostwärts über hartgepackten Schnee durch ein Steinlabyrinth an der Tannalp vorbei. Spät erst stieg die Sonne über die Gipfel im Süden. Sobald sie aber da war, bescherte sie uns frühlingshafte Temperaturen und alsbald eine T-Shirt-Tour. Im späteren Aufstieg zum Sattel zwischen Barglen/Schiben und dem Rotsandnollen (2’700m) machte die eisige Aufstiegsspur gelegentlich etwas zu schaffen und im finalen Gipfelanstieg forderte sie dann endgültig ihren Tribut: ein Ski (der erfolgreich geborgen wurde), ein Unterarm (der bald zu bluten aufhörte) und eine Steighilfe (die sich leicht ersetzen lässt) führten uns wieder einmal die Nützlich- und Notwendigkeit der Harscheisen vor Augen. Mit diesen war dann auch der Aufstieg zu bewältigen.

Wo der Schnee noch nicht für glänzende Augen sorgte, tat es doch der Rundumblick: vom Nebelmeer über dem Mittelland über die Innerschweizer Bergwelt bis tief hinein ins Berner Oberland. Die Abfahrt auf dem verkarrten, harten Schnee forderte etwas Konzentration und Leidensbereitschaft. Inzwischen hatte aber auch die Sonne ihren Teil beigetragen, sodass einzelne Hänge mit einer angenehm zu befahrenden Sulzschicht überzogen waren.

Auf die Abfahrt folgte eine weitere lange Traverse mit einem kurzen Schlussaufstieg entlang des Sommerwegs zum Bonistock. Der zweite Teil der Abfahrt fand dann ganz profan auf der Skipiste statt. Bei den aktuellen Schneeverhältnissen war dagegen nichts einzuwenden. Die Alternative wäre eine Ski-Schuh-Wanderung gewesen und Skifahren macht ja bekanntlich auch auf Pisten viel Freude. Weil dann noch erstens am Ende dieser Piste gleich ein Restaurant stand und zweitens während unserer Abfahrt die Schweizer in Val d’Isère noch einen Dreifachsieg einfuhren (Meillard, Aerni, Odermatt), war die Welt einfach wieder einmal in Ordnung.